Thomas Hermanns und Rainer Jarchow
Thomas Hermanns für besonders prominentes Engagement im Bereich Politik, Wirtschaft bzw. Kultur
Thomas Hermanns leistet einen prominenten Beitrag zur Sichtbarkeit von Lesben und Schwulen. Mit seinem künstlerischen Engagement begleitet er die Schwulen- und Lesbenbewegung seit Anfang der 80er Jahre bis heute maßgeblich. Groß geworden im Nürnberger Schwulenzentrum „Fliederlich“ und der „fränkischen Klabbenoper“ tingelte er als Student der Theaterwissenschaften mit der Gruppe „Die Frontbetreuung“ bald ins Waldschlösschen und ins „Schwuz“ nach Berlin. Als offen schwuler und erfolgreicher Entertainer gibt er der Community ein sympathisches Gesicht. Er tritt mit seiner Person für ein diskriminierungsfreies Leben von Lesben und Schwulen ein. Er trägt auf humorvolle Weise zur Förderung der Akzeptanz von Lesben und Schwulen in der Gesellschaft bei und hilft, Vorurteile gegenüber Lesben und Schwulen abzubauen.
Thomas Hermanns ermutigt zum selbstbewussten Coming Out und zeichnet ein vielfältiges Bild von Lesben und Schwulen in unserer Gesellschaft. „Heute Abend wäre der richtige Moment, mit Euren Eltern zu reden!“ Diese - vor einem Millionenpublikum ausgesprochene - Ermutigung zum Coming Out anlässlich der Verleihung der „Goldenen Kamera“ wird in keiner Biografie über Thomas Hermanns mehr fehlen. Einer stereotypen Wahrnehmung lesbischer und schwuler Lebensweisen setzt er – zuweilen frech und provokativ, zuweilen nachdenklich – die Botschaft entgegen, wie sehr Vielfalt unsere Stärke ist. Er stellt sich damit offensiv jenen Vorstellungen entgegen, die beharrlich zu definieren versuchen, welche Lebensweisen in unserer Gesellschaft als „normal“ zu gelten haben.
Thomas Hermanns beweist aktive Solidarität mit Projekten der lesbischen und schwulen Community. Er nutzt seine Popularität, um politisch zu wirken. Dies zeigen sein Einsatz in der AIDS-Prävention – nicht nur im Rahmen der Kampagne zum Welt-AIDS-Tag 2006 – seine zahlreichen Benefiz-Veranstaltungen [unter anderem für den Queer-Verlag] und nicht zuletzt sein Engagement für die Christopher-Street-Day-Bewegung in Deutschland [er unterstützte vor allem auch „kleinere“ CSDs z.B. in Oldenburg, Erfurt und Rostock] sowie sein internationaler Einsatz im von ihm mitbegründeten „Warschauer Pakt“.
Rainer Jarchow für herausragendes ehrenamtliches Engagement
Rainer Jarchow hat Verantwortung übernommen. Noch bevor das Ausmaß der AIDS-Krise in schwulen Lebenszusammenhängen abzusehen war, hat er zusammen mit Prosper Schücking und Winfried Holz ein Selbsthilfe-, Beratungs- und Betreuungsangebot in seinen privaten Räumen aufgebaut. Dieses persönliche Engagement als schwuler Mann mündete in die Gründung der AIDS-Hilfe in Köln. Dabei war ihm von Anfang an der Ansatz einer strukturellen Prävention wichtig, der auch zur kommunalen Finanzierung des damaligen glf-Sozialwerks (des heutigen Sozialwerks für Lesben und Schwule) sowie des Checkpoint-Infoladens der Schwulen Initiative für Pflege und Soziales und weiterer Projekte der Selbstorganisation in schwulen Lebenszusammenhängen beigetragen hat. Der Ansatz der strukturellen Prävention ist bis heute ein wichtiger Aspekt der schwulen Selbstorganisation. Das Schwule Netzwerk NRW erweitert ihn mit seiner Gesundheitsplattform „pudelwohl – gesund und schwul in nrw“ stetig um weitere Aspekte der Gesundheitsförderung.
Rainer Jarchow hat eine Stiftung gegründet. Mit einem beachtlichen Anteil Deines Vermögens hat er eine Stiftung gegründet, die Menschen mit HIV und AIDS eine notwendige Unterstützung in Notlagen gewährt. Dabei zählen schwule Männer bis heute zu den Hauptbetroffenen. Diese Deutsche AIDS-Stiftung begeht in diesem Jahr ihr 20jähriges Bestehen. Neben Andreas Meyer-Hanno, der inzwischen leider verstorben ist, zählt sein Stifterengagement zu einer der bedeutendsten Aktivitäten im privaten Fundraising in der schwul-lesbischen Community. Für die aktuelle Initiative des Schwulen Netzwerks NRW und der LAG Lesben in NRW zur Gründung einer Förderstiftung für schwule und lesbische Selbsthilfe ist er ein herausragendes Vorbild. Er ermutigt andere, nach ihren eigenen Möglichkeiten an einer solchen Stiftungsgründung mitzuwirken.
Raine Jarchow lebt alltägliche Solidarität im Verborgenen. Weit über sein bezahltes und öffentlich wirksames Engagement – z.B. als Pastor – hinaus und inzwischen im „Ruhestand“ hat er vielen schwulen Männern und anderen Menschen seinen persönlichen Beistand in besonders schwierigen Lebenslagen geboten und tust dies heute noch, teilweise über lange Zeit und unter sehr schwierigen Umständen. Dieses verborgene Engagement kennt keine Publicity. So ehren wir mit ihm auch unzählige schwule Männer und lesbische Frauen, die im privaten Raum ihre persönliche Solidarität mit Freundinnen und Freunden im Alltag leben und so der Isolation und manchmal auch der Verzweiflung menschliche Wärme und Hilfestellung entgegensetzen.