Volker Beck und Knut Dehnen
Volker Beck für besonders prominentes Engagement im Bereich Politik, Wirtschaft bzw. Kultur
Mit Volker Beck zeichnen wir einen Mann aus, der sich aus der schwulen Bewegung heraus die wohl steilste Karriere in der bundesdeutschen Politik erarbeitet hat mit einem, kurz gesagt, schwulen Programm, aus dem Bundesverband Homosexualität und später aus dem LSVD hinauf an die Spitze der Grünen-Bundestagsfraktion, der er seit 1994 angehört, deren rechtspolitischer Sprecher und erster parlamentarischer Geschäftsführer er heute ist.
Wir zeichnen Volker Beck mit der Kompassnadel aus insbesondere für sein Engagement auf zwei Gebieten: für seinen Einsatz für die Bürgerrechte von Schwulen und Lesben, ich nenne die Stichworte Lebenspartnerschaftsgesetz und Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz. Bei den CSDs in Warschau und Moskau hat er der Weltöffentlichkeit sichtbar gemacht, wie repressiv, wie gewalttätig Staaten und Gesellschaften, die Europa sein wollen, mit Homosexuellen auch im 21. Jahrhundert umgehen. Und wir zeichnen Volker Beck für sein Engagement für eine Entschädigung auch der homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus aus, für das Wachhalten der Erinnerung an die Verfolgung unserer Minderheit im dritten Reich, und für den Versuch einer Wiedergutmachung.
Volker Beck ist ein Politiker, dem es gelingt, mit Äußerungen zu nahezu beliebigen Themen allen homophoben Bodensatz in unserer dann doch nur vermeintlich liberalen Gesellschaft aufzurühren. Und: Volker Beck ist auch einer der ganz prominenten Akteure der alten, bundesdeutschen Schwulenbewegung. Sogar in Siegen stritten wir am Herzenslust-Stammtisch 1996 mit dem noch fast frisch gebackenen MdB über die Frage, ob wir die freie Fahrt in die Homo-Ehe wollen – so hieß das Thema der Veranstaltung. Oder nicht doch eine ganz andere Gesellschaft, andere Lebensformen, andere Machtverhältnisse.
Mit Volker Beck ehren wir einen schwulen Politiker. Und einen Schwulenpolitiker. Ein Vorbild für politisch motivierte und aktive Menschen, die sich der Minderheitenpolitik für Lesben und Schwule verschrieben haben.
Knut Dehnen für herausragendes ehrenamtliches Engagement
Der 1994 die Selbsthilfegruppe homosexueller Alkoholikerinnen und Alkoholiker in Duisburg gegründet hat, bekommt die Kompassnadel für besonderes ehrenamtliches Engagement bei der Förderung der gesellschaftlichen Akzeptanz der schwulen und lesbischen Minderheit.
Das Thema Sucht führt natürlich zum Nachdenken darüber, wie schön denn unsere schwule Welt ist, nicht schön genug jedenfalls, als dass sie jeder in krisenhaften Lebenssituationen ohne Drogen, ohne Abhängigkeiten aushalten kann. Mit ShAlk zeichnen wir Selbsthilfe aus, die – in diesem Fall sogar bundesweite – Vernetzung von Selbsthilfe, wie sie nach wie vor, vor allem jenseits der Großstädte mit ihren hauptamtlichen, professionalisierten Einrichtungen von Ehrenamtlern in verschiedenen schwulen Lebensbereichen geleistet wird, beginnend bei den Coming-Out-Gruppen, weitergeführt bei den Zusammenschlüssen von Migranten und zum Beispiel bei den schwulen ALTERnativen. Wenige von ihnen haben das Glück, auf stabiles, kontinuierliches langjähriges Engagement einzelner Persönlichkeiten bauen zu dürfen, wie zum Beispiel ShAlk auf seinen Mitbegründer Knuth Dehnen. Dafür wollen wir mit der Kompassnadel auch Danke sagen.